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IMHO: Warum Sailfish OS das bessere mobile OS ist

Inzwischen habe ich mich ausgiebig mit Sailfish OS auf 3 unterschiedlichen Geräten auseinander gesetzt. Meinen ersten Berührungspunkt hatte ich mit einem meiner Raspberry Pi und einem damals noch unfertigen Community Port. Wirklich einsetzen konnte ich das OS darauf nicht; mir fehlte schlicht ein kapazitiver Touchscreen für den kleinen Embedded Computer.
Nachdem mit über einem Jahr Verspätung, sprich Ende Februar 2016, dann endlich mein Jolla Tablet bei mir eingetroffen ist, konnte ich Sailfish OS auf Herz und Nieren testen.
Leider hatte Jolla bekannter Maßen einige finanzielle Schwierigkeiten, wodurch ein paar dringend nötige Anpassungen für Tablets fehlen. Die Apps und auch die APIs sind für Smartphones ausgelegt. Und hier kann SFOS auch wirklich richtig punkten. Mein Moto G (2013) mit einem Community Port habe ich gegen ein Jolla C ersetzen können.

Das UI


Im Vergleich zu iOS, Android oder BB10 wirkt die Oberfläche extrem leer; keine Buttonleisten, Pfeilchen, unnötigen Boxen, usw. usf. Anfangs dachte ich, dass es mich stören würde, wenn ich nicht immer alles im Blick habe - zum Beispiel sieht man in Apps nicht dauernd die Menüleiste mit Zeit, Status Icons und co. Allerdings musste ich feststellen, dass das nicht nur der dazu gewonnen Fläche für die jeweilige App von Vorteil ist. Der Fokus auf den Inhalt macht das Benutzen des Smartphones viel angenehmer. Man sieht nur das, was jeweils im Augenblick relevant ist.

Linux mit allen Vorteilen und wenig Nachteilen


Das Problem, warum Linux sich auf dem Desktop nicht durchsetzt aber mobil eine mit Android starke Rolle einnimmt ist, dass mit KDE, GNOME, Xfce und Konsorten es für den normalen Nutzer zwar viel Auswahl an Oberflächen gibt, diese aber nicht wirklich rund wirken und/oder auf ihr jeweils eigenes App-Portfolio beschränkt sind. Führt man dann Apps einer anderen Desktop Oberfläche aus, wirkt Linux schnell wie ein Flickenteppich.
Google hat mit Android eine gute und klassisch stimmige Oberfläche (...) für Linux auf Smartphones geschaffen. Leider kommt aber bei Android das Linux darunter mMn viel zu kurz. Sailfish OS wiederum ist sehr offen. Fix mal den CPU Takt runter regeln um Strom zu sparen? Kein Problem. Die App hat mir eine zu kleine Schriftart? Vi anschmeißen und die Oberfläche der App anpassen.
Natürlich, das ist ein Feature für Entwickler oder Geeks. Aber es ist möglich und normale Benutzer werden nicht damit konfrontiert, wenn sie es nicht wollen. Man muss dafür nicht jailbreaken oder rooten.

Apps, Apps, Apps


Jede mobile Platform braucht um auf dem Markt erfolgreich zu sein Apps. Angefangen von Social Media Apps über Navigation bis hin zu natürlich Spielen. Wie auch unter BB10 gibt es für Sailfish OS nur wenige native Apps. Im Gegensatz zu ersterem ist das unter Sailfish OS - zumindest, wenn man keinen Community Port einsetzt - kein Problem. Zwar ist die Virtuelle Maschine - genannt Alien Dalvik - nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber sie funktioniert um einiges besser als ihr Pendant unter BB10. Wer mit dem Angebot aus dem Jolla Store oder den OpenRepos nicht zufrieden ist, dem würde ich den Amazon App Shop oder F-Droid ans Herz legen. Alternativ kann man über zum Beispiel mit Raccoon die APK der gewünschten App von Google Play herunterladen.

Die Community


Jolla hat eine kleine aber sehr gute Community rund um Sailfish OS aufgebaut. So gibt es unter together.jolla.com ein gutes Forum für Fragen, Anregungen für Weiterentwicklungen oder einfach allgemeine Diskussionen rund um Jolla und Sailfish OS. Jolla bindet außerdem über diverse Aktionen wie zum Beispiel einem Translation-Projekt die Community mit ein. Facebook und Twitter nutzt Jolla genauso wie Diaspora um auch in Social Media aktiv zu sein.
Der Open Source Gedanke ist stark vertreten unter Sailfish OS. So gibt es in den OpenRepos nicht nur viele Apps zu finden. Für so ziemlich jede App findet man auch gleich den Link zu Github (o.ä.) um sich den Quellcode anzusehen. Dies ist neben den offiziellen Entwicklerdokumentationen von Qt und Jolla ein unschätzbarer Vorteil für Entwickler die Sailfish OS für sich entdeckt haben. Neben dem offiziellen Community Forum gibt es noch aus maemo-Tagen talk.maemo.org, welches gerade für Entwickler sehr interessant sein kann. Nur Android und Ubuntu Touch sind hier ähnlich aufgestellt.

Wo Licht, da auch Schatten


Sailfish OS ist ein noch relativ junges Betriebssystem und Jolla ist nur eine relativ kleine Firma. Daher fehlen einige Funktionen im System selbst oder in mitgelieferten Apps. Zwar kann man mit Patches über die OpenRepos oder Android Apps einiges auffangen. Aber dennoch kann man vom Umfang her Sailfish OS, zumindest was den normalen Nutzer betrifft, nicht mit Android oder iOS vergleichen. Die Frage ist aber auch, was man braucht und was nicht. Der wohl größte Kritikpunkt ist aber die Verfügbarkeit. Das original Jolla Smartphone ist genauso wenig verfügbar wie das Jolla Tablet. Das Jolla C hatte nur eine Auflage von 1000 Stück und das einzige Smartphone was derzeit mit Sailfish OS offiziell verfügbar ist, das Intex Aqua Fish, kann man in Europa nicht kaufen. Ich hoffe, dass sich Jolla und Fairphone einigen, damit das Fairphone 2 einen offiziellen Port bekommt und/oder noch mehr Hersteller Sailfish OS von Jolla lizensieren. Es ist zwar schön, wie gut Sailfish OS auf zum Beispiel einem Moto G läuft. Aber dieser Weg bleibt etwas für Technikbegeisterte und Geeks. Damit Sailfish OS an Verbreitung gewinnt, muss ein Smartphone mit vorinstalliertem Betriebssystem in den Läden stehen.

Nur meine Meinung...


Bei einem Smartphone muss die Oberfläche stimmig sein. Man muss schnell auf relevante Informationen zugreifen können und mit der Welt problemlos in Verbindung bleiben. Das kann Sailfish OS besser als Android, iOS, BB10 oder Windows Mobile. Es verbindet vor Allem in seiner Oberfläche fortschrittliche Konzepte von Meego, BB10 und Windows 10 Mobile und macht das Smartphone für mich für den perfekten, unaufdringlichen Begleiter für unterwegs.